Gedichte
Die Poesie öffnet einen Raum, für den es bislang keine Worte gab. Damit verändert sie den Blick auf die Welt selbst, indem sie eine Brücke baut, die von der kollektiven Realität zur subjektiven Wirklichkeit des Einzelnen überleitet.
Beispielgedichte
Silberregen
Verfallen auf ewig dem endlosen Schlafe,
entgleitet dem Baume das goldgelbe Blatt,
zu den sanftwarmen Saiten der Harfe,
umgürtet vom Schatten der nahenden Nacht;
Im dämmrigen Lichte der restlichen Welt,
gewandet in blasskaltes Eis,
noch lange das Strahlen im Dunkeln sich hält,
die Erde berieselt von strahlendem Weiß;
Der Wind treibt vor sich den traurigen Regen,
gebettet in silbriges Glas,
zu Grabe getragen dennoch nicht vergebens;
Das Erdreich benetzt von heiligem Segen,
die alte Farbe verblasst,
im hellen Silberregen;
Unendlichkeit
Das Wesen das im Anfang lag,
es liegt in jedem Ende,
vollzieht in sich die ew´ge Wende,
von Licht zu Schatten, Nacht zu Tag;
Was gläsern einst um Eins gewunden,
liegt vor des Menschen Blick geteilt,
der in den Gegensätzen weilt,
von Tod und Leben, Jahr und Stunden;
Erkennen heißt die Zeit verneinen,
im Lichte jenes Ganzen steh´n,
vor dem die Zeitenläufe dreh´n,
heißt ewig sein im ewig Einen;
Homo Oeconomicus
Seht dort der Homo Oeconomicus,
wie er zur Arbeit kriecht auf allen Vieren,
mit Auto, U-Bahn oder Bus;
wie er sich festgefahren im Verstand,
den Weg durch`s monotone Leben bahnt;
Die Augen starr, der Blick gebannt,
auf das Smartphone in der Hand,
er sieht nichts, hört nichts, kann nichts glauben,
weil ihm die immer gleichen Tage,
jeden Sinn im Leben rauben;
Nie hat er Zeit mal nachzudenken,
sein Lebensziel besteht darin,
von allem Leben abzulenken,
doch aller Reichtum, denk daran,
liegt in dir, fang damit an!
Auftragsdichtung
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